Psychische Reaktionen im Katastrophenfall

Bei Katastrophen scheinen Menschen sehr unterschiedlich zu reagieren. Sei es bei natur-bedingten Extremsituationen, wie beispielsweise Erdbeben oder Wirbelstürme oder in solchen Situationen, welche durch menschliches Verhalten verursacht wurden, wie bei militärischen Auseinandersetzungen oder Explosionen,

Weltweite Erfahrungen und Dokumenationen zeigen jedoch: Menschliches Verhalten ist weitgehend ähnlich! In der Psychologie lassen sich in diesem Zusammenhang insgesamt fünf Kategorien von Reaktionen auf Katastrophen unterscheiden.

Ein weiterer interessanter Punkt: Psychische Störungen nehmen nicht zu, sondern im Gegenteil: die Toleranz für auffälliges Verhalten nimmt zu und die Zahlen von Alkoholismus und Suiziden nehmen ab!

Katastrophen sind per Definition Situationen, welche weder vorhersagbar noch erwartet werden können. Aus diesem Grund sind auch die Normbereiche für menschliches Verhalten in solchen Situationen differenzierter zu betrachten.

Generell ist zu sagen, dass Verhalten häufig als Ventil genutzt wird, um mit der aktuellen Situation und Herausforderungen zurecht zu kommen. Verhaltensmuster können hierbei reaktiviert werden oder neues Verhalten wird gezeigt, um mit dieser herausfordernden Situation umgehen zu können.

Normale Katastrophen Reaktionen

“Normales Verhalten in unnormalen Situationen”

Sollten Sie einmal eine solche Katastrophe indirekt miterlebt haben, indem Sie eine betroffene Person getroffen oder betreut haben, so werden Sie wahrscheinlich mit eine gewissen Befangenheit, ein unklares Denken und eine gewisse Abwesenheit bemerkt haben. Dies sind völlig nachvollziehbare Reaktionen auf ein Ereignis, welches nicht ohne Grund den Namen “Katastrophe” trägt. Denn auch in der Psyche des Menschen tritt eine “Katastrophe” ein: Wir haben über die Jahre viele Strategien gelernt, welche uns dazu befähigen in unterschiedlichen Situationen ein gewissen Verhalten auf die aktuelle Situation zu zeigen. Werden wir angesprochen, reagieren wir auf unseren Namen. Bemerken wir, dass jemand auf uns zugeht, welcher uns nicht sieht, können wir ausweichen. Im Falle einer Katastrophe kommen wir an den Punkt, dass unser Repertoire an Möglichkeiten ausgeschöpft ist. Keine bisher angewendete Strategie kann uns in diesem Moment helfen.

Verhalten, welches sich als Folge dieser Katastrophe zeigt, ist demnach häufig nachvollziehbar und “normal”, sofern dieses keine dramatischen Dimensionen annimmt. Darüber hinaus nimmt dieses Verhalten meist nach kurzer Zeit ab und nur ungefähr 1-5% der Betroffenen leiden unter langfristigen Folgen.

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Weitere Reaktionen

Überaktive Reaktionen

Bei überaktiven Reaktionen, wie es der Name bereits sagt, handelt es sich um relativ harmlose Folgen im Verhalten als Folge auf die Katastrophen – Situation. Bei der Erledigung von Aufgaben im Katastrophenfall zeigt sich zusätzliches, “überaktives” Verhalten, wie beispielsweise Fluchen, Murren oder Nörgeln.

In der Regel kehren nach relativ kurzer Zeit wieder Ruhe und Besonnenheit ein, sodass “überaktives Verhalten” nicht weiter im gleichen Ausmaß gezeigt wird.

Kindliche Reaktionen

Wie bereits zuvor angesprochen, kann es bei solch herausfordernden Situationen, wie beispielsweise in Katastophen – Fällen, dazu kommen, dass Verhaltensmuster erneut gezeigt werden, welche zuvor über längere Zeit nicht präsent waren.

Ein Beispiel hierfür sind kindliche Reaktionen, wie zum Beispiel Weinen, Stottern oder Klagen. Auf hier gilt: nach kurzer Zeit klingen diese Verhaltensmuster wieder ab, sodass Ruhe und Übersicht, folglich situations-adäquates Verhalten gezeigt wird.

Depressive Reaktionen

Der Rückzug, sei es körperlicher oder psychisch ist eine weitere Möglichkeit, wie im Falle einer Katastrophen-Situation reagiert werden kann. Das körperliche bzw. seelische Blockieren wird hierbei als Verhaltensmuster gewählt, sodass eine regelrechte Lähmung einsetzt, sodass auf Antworten oder Reaktionen teilweise lange gewartet werden muss.

Körperliche Reaktionen

Körperliche Reaktionen lassen sich nur schwer in eine bestimmte Form bringen, denn während bei Einzelnen eine Art der körperlichen Lähmung stattfindet, scheinen sich Andere aktiv und gleichzeitig ziellos in der Umgebung zu bewegen.

Fazit

Katastrophen sind Situationen, für welche nur die wenigsten Menschen das notwendige Repertoire an Verhaltensweisen parat haben, um adäquat darauf zu reagieren. Die psychische Widerstandskraft ist an dieser Stelle gefordert und gleichzeitig ausschlaggebend für das Verhalten im Anschluss an die herausfordernde Situation. Obwohl es insgesamt fünf unterschiedliche Formen gibt, Verhalten als Reaktion zu zeigen, fällt auf, dass allen gemeinsam der “Ventil-Charakter” ist. Betrachtet man das Verhalten aus (verhaltens-) psychologischer Sicht, so wird deutlich, dass jedem Verhalten ein Gewinn innewohnt, um für sich eine Strategie zu haben mit einer Situation zurecht zu kommen, welche wahrscheinlich zuvor im Leben noch nie aufgetreten ist.

Quellen:

Faust, V. (2002, Februar 8): Seelische Reaktionen im Katastrophenfall. Abgerufen: 25. März 2020, von: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/Int.1-Seelische_Reaktionen_im_Katastrophenfall.pdf

Knöpfel, H.-K. (1980): Psychische Reaktionen in Katastrophen. In: Lanz, R. & Rosetti, M. (1980): Katastrophenmedizin. Stuttgart: Enke-Verlag.

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